Interview mit Eva Schmachtenberg vom 1.FBC Griesheim in Hessen
Redaktion - Interviews
Unsere Interviewserie setzen wir mit Eva Schmachtenberg fort. Sie holte sich 2009 in der Disziplin „Barebow Recurve“ alle bedeutenden Titel. In Bad Kreuznach wurde sie Deutsche Hallenmeisterin des Deutschen Feldbogenverbandes. Auch bei der Deutschen Meisterschaft Feld & Jagd in Ürzig wurde sie Deutsche Meisterin. Damit nicht genug: In Tal-y-Coed (Wales) holte Sie sich den Titel der Europameisterin bei den „European Field Archery Championships 2009“.
Zur Erklärung: Grundsätzlich ist mit „Barebow“ das Bogenschießen ohne Visier und mechanische Lösehilfe gemeint. Es ist nicht zwangsläufig das intuitive Schießen, obwohl Intuitivschützen generell auch Barebow-Schützen sind.
Steckbrief
Disziplin: Barebow Recurve
Geburtsjahr: 1983
Verein: 1.FBC Griesheim in Hessen
Beruf: Diplomkauffrau, im Controlling tätig
Hobbies: Neben Bogenschießen noch Eishockey (Tor) und mein Hund Robby
Trainer: In dem Sinne habe ich keinen Trainer, aber Stefan Schoppmann und Jörg Pfeiffer stehen mir in Aachen mit Rat und Tat zur Seite.
Bogensport-extra.de: Wann hast Du das erste Mal einen Bogen in die Hand genommen?
Eva Schmachtenberg: 1999 bei den Ferienspielen des FBC Griesheim. Das hat mir direkt Spaß gemacht und ganz falsch hat es wohl auch nicht ausgesehen. Anfang 2000 bin ich in den Verein eingetreten, habe aber nur in der Hallensaison trainiert. 2002 bin ich dann zum Studieren nach Aachen umgezogen und habe dann nur noch im „Heimaturlaub“, also vielleicht zehnmal im Jahr, trainiert.
Bogensport-extra.de: Ab wann begann für Dich der Übergang vom Bogensport als Hobby zum leistungsorientierten Schießen?
Eva Schmachtenberg: 2006 habe ich beschlossen, wieder mit dem Schießen anzufangen. Ich habe mir meinen ersten eigenen Bogen gekauft und bei der BSG Aachen angefangen, wieder regelmäßig zu trainieren. In dem Jahr habe ich auch das erste Mal weiter als 20 Yards/ 18 Meter geschossen, weil ich auch außerhalb der Halle tätig war. Das hat gleich so gut geklappt, dass ich sowohl die Deutsche Meisterschaft Feld und Jagd als auch die Europameisterschaft in Finnland gewonnen habe. Dafür habe ich dann doch um die 3 bis 4 mal pro Woche trainiert, also schon Richtung Leistung.
Bogensport-extra.de: Als Feldbogenschützin hast Du Dich in Richtung „Barebow Recuve“ orientiert. Was fasziniert Dich am Feldbogenschießen mit dem „Barebow Recurve“?
Eva Schmachtenberg: Ich denke die Mischung aus System und Instinkt. Man weiß ja schon mit welchem Abgriff man auf welcher Distanz trifft, aber da die Stabilisation und der Klicker fehlen, muss man schon mehr nach Gefühl gehen, als die Olympic-Schützen. Außerdem hat man durchaus die Möglichkeit, auf allen Distanzen ordentlich zu treffen, man muss aber nicht immer das X treffen, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Wenn man dann auf eine Distanz wie 65 Yard auf die eher kleinen Auflagen beim DFBV eine ordentliche Passe schießt, kann man richtig stolz auf sich sein. Außerdem macht es hier und da Spaß, Visierschützen ein wenig zu ärgern. Ich schieße bei der Hochschulmeisterschaft neben den 30 Metern für Blankbogen auch die 70 Meter blank mit und bin letztes Jahr ohne besonderes Training im Mittelfeld gelandet. Da konnte ich mir das Grinsen nicht verkneifen.
Bogensport-extra.de: Gab es in den vergangenen Jahren Sportler und Trainingspartner, die Dich besonders inspirierten oder eine besondere Hilfe waren, Deinen Weg als Bogenschützin so erfolgreich aufbauen zu können?
Eva Schmachtenberg: Zum einen gibt es da natürlich die Schützen, mit denen man einfach gerne zusammen schießt, weil viel gelacht und gequatscht wird. Für mich ist es wichtig, dass mir das Schießen Spaß macht. Da denke ich insbesondere an die anderen Blankbogenschützen des FBC Griesheim, vor allem Nicoletta Thöne und Ralf Müller. Als Schützin weitergebracht haben mich vor allem Stefan Schoppmann und Jörg Pfeiffer in Aachen. Sie haben mir sehr geholfen, meinen Stil wenigstens etwas zu verbessern und Fehlerquellen zu erkennen und zu vermeiden; und Spaß hat man mit den beiden beim Schießen auch noch.
Bogensport-extra.de: Wie sieht Deine Vorbereitungszeit für einen Wettkampf, wie die Europameisterschaft in Tal-y-Coed (Wales), aus?
Eva Schmachtenberg: Ich versuche, mehr zu schießen, zwischen drei und fünf Mal pro Woche. Für Wales war es allerdings etwas schwierig, weil ich in der Vorbereitungszeit meine erste Stelle nach dem Studium angetreten habe. Da ich abends mit meinem damaligen Patenhund im Tierheim Aachen gehen wollte, musste ich oft morgens vor der Arbeit trainieren. Da der Hund mittlerweile bei mir wohnt, werde ich in der nächsten Außensaison allerdings deutlich häufiger zum Training kommen.
Bogensport-extra.de: Die psychische Einstellung ist bei Bogenschießen von besonderer Bedeutung. Gibt es Formen des mentalen Trainings, die Du in Deine Wettkampfvorbereitung einbeziehst?
Eva Schmachtenberg: Ich mache kein spezielles Mentaltraining. Während des Wettkampfes versuche ich aber immer mal wieder, den perfekten Schuss zu visualisieren. Die Konzentration trainiere ich wahrscheinlich quasi „nebenbei“ beim Eishockey. Als Torhüter muss man da bei der Sache sein.
Bogensport-extra.de: Als Bogensportler suchen wir nach dem Schlüssel zum Erfolg. Wo finden wir diesen Schlüssel?
Eva Schmachtenberg: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Balance zwischen Selbstbewusstsein und Selbstkritik stimmen muss. Wenn man sich nichts zutraut, klappt das nicht und wenn man zu selbstsicher an die Sache rangeht, wird man sehr schnell schludrig und ballert einfach irgendwas Richtung Scheibe. Aber allgemein führt der Erfolg eigentlich immer über Training und das Gefühl, das man dabei für den Schuss entwickeln muss.
Bogensport-extra.de: Welche Ausrüstung schießt Du?
Eva Schmachtenberg: Einen Hoyt Nexus (demnächst, wenn der Umstieg klappt, den Bernardini Nilo) mit M1-Wurfarmen und im DFBV einem Beiter-Mono-Stabi. Ich schieße nur gut 28 Pfund, da ich damit alle Reichweiten erreiche, die ich brauche. Mehr Zuggewicht bringt mir meiner Meinung nach mehr Nach- als Vorteile. In der Halle schieße ich Alu-Pfeile, draußen die Easton Navigator, die ja leider auslaufen.
Bogensport-extra.de: Betrachtet man die Erfolgsliste Deines Vereins, dem 1.FBC Griesheim, so fällt auf, dass dieser Verein hervorragende Schützinnen und Schützen hervorgebracht hat. Was ist das Fundament für den Erfolg des Vereins?
Eva Schmachtenberg: Praktisch gesehen haben wir ein tolles Außengeländer, das wir quasi immer nutzen können. Insbesondere im Barebow Compound-Bereich ist mit Sicherheit viel Know-how im Verein vorhanden. Außerdem gibt es mittlerweile Anfänger- und Kindertraining und viele Schützen tun sich für Fahrten zu Turnieren zusammen, was Neulingen die Möglichkeit gibt, sich anzuschließen.
Bogensport-extra.de: Gibt es durch den Bogensport erlernte Fähigkeiten, die Du in Dein Alltagsleben mitnimmst und die sich hier besonders positiv auswirken?
Eva Schmachtenberg: Wahrscheinlich Hartnäckigkeit. Ich hatte über ein Jahr richtig massive Scheibenpanik und konnte überhaupt nicht kontrolliert schießen. Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass ich das jemals wieder in den Griff kriege, aber wenn man dranbleibt und daran arbeitet, ist es machbar. Zu Problemen führt das gelegentlich immer noch, aber ich habe es meistens unter Kontrolle. Ansonsten würde ich mir aber anders herum wünschen, dass ich die Ruhe, die ich im Alltag habe, auf das Schießen übertragen könnte. Aber auch ich werde ruhiger.
Bogensport-extra.de: Welches war Dein größter emotionaler Moment als Bogenschützin?
Eva Schmachtenberg: Da gibt es einiges, positiv wie negativ. Das gesamte Jahr 2007 fällt leider unter negativ, da ich kurz davor war, alles hinzuschmeißen, weil nichts mehr klappte. Positiv ist für mich vor allem der Nachmittag des fünften Tages der EM 2006 in Finnland. Ich war Anfang des Tages knapp in Führung vor einer Finnin und habe dann in der ersten Hälfte schlecht geschossen. In der Mittagspause habe ich wirklich da gestanden und mir gedacht: „Was machst du eigentlich für einen Mist hier?“ Ich konnte mich noch mal zusammen reißen und habe so gut geschossen wie seit dem nicht mehr. Das war so ein Tag an dem man merkt, dass es geht, wenn man will, dabei aber nicht panisch oder hektisch schießt. An einen konkreten Moment erinnere ich mich auch noch im Training. Ich habe öfters spaßeshalber auf 70 Meter mitgeschossen und in einer Passe konnte ich dann die Pfeile vorne aneinander schlagen hören. 4x10, 9, 8. Was anderes als Dauergrinsen, Einpacken und nach Hause gehen ging da nicht mehr. Da merkt man dann was alles möglich ist.
Bogensport-extra.de: Herzlichen Dank für das Interview.
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